UN Klimakonferenz in Paris als langfristige Lösung der Krisen im Nahen Osten

Ende dieses Monats beginnt eine der wichtigsten Konferenzen unserer Zeit. Sie wird auch entscheident darüber sein, welches Ausmaß Konflikte und Krisen in gefährdeten Regionen dieser Welt haben werden. Während die Europäische Politik Schlagwörter wie „Präventionslösungen“ oder „Lösen der Probleme vor Ort“ in den Raum stellen, um die Flüchtlingkrise in den Griff zu bekommen, haben sie bei der UN-Klimakonferenz in Paris die Möglichkeit dies zu tun.

Aber langsam: es steht außer Frage, dass Treffen, wie die kürzlich in Wien abgehaltene Syrien Konferenz enorm wichtig sind, um kurzfristige Lösungen wie Waffenstillstand (cease fire) zu erwirken – so weit, so logisch. Wenn der Nahe Osten allerdings als Patient betrachtet wird, sind diese Lösungen nur die Bekämpfung der Symptome, jedoch nicht der Ursachen.

In diesem Blogeintrag möchte ich nichts Geringeres als zu zeigen, dass Themen und Herausforderungen des Energiekomplexes, wie Energiesicherheit und Energiezugang und wohl am entscheidentsten die Umweltverträglichkeit in ihrer Gesamtheit, sowie der Ressourcenfluch, einen nicht unerheblichen Teil der Ursachen dieser Krise ausmachen. (Wobei: Entgegen mancher Annahmen ist der Resourcenfluch hier nicht wirklich entscheident, denn weder Syrien noch Jemen haben große Öl- oder Gasvorkommen.) Daher müssen auch dort die Lösungen gefunden werden. Die zugrunde liegende Premisse lautet also: wenn sich die negativen Entwicklungen des Klimawandels, der Ressourcensicherheit, und der damit verbundenen Stabilität einer Region, zum Negativen wendet, und die Resilienz dieser Region gering ist, wird es zu Krisen kommen. Daraus folgt die Herausforderung, welche lautet: welche Parameter können so verändert werden, dass der genannte Prozess gestoppt oder zumindest verlangsamt wird?

Die Menscheitsgeschichte ist voll mit Beispielen von Fällen wo es nach (bzw. während) schwachen Ernten und Dürren zu Konflikten kam. Eines der jüngeren Beispielen scheint dabei Syrien zu sein, aber auch der andere Krisenstaat im Nahen Osten: Jemen (dazu  hier). Was noch dazu kommt: die extreme Dürre in Syrien zwischen 2006 und 2009, so sagen es uns die Wissenschaftler, war sehr wahrscheinlich mit dem Klimawandel verbunden. Allgemein wird ja des Öfteren vom Zusammenhang zwischen Klimawandel und der Nahrungsmittelsicherheit gesprochen:

Wie so oft spielen natürlich viele Faktoren für den Konflikt eine Rolle, aber wenn das Problem in seiner Vollständigkeit betrachtet werden soll, dann muss dieser Faktor (Klimawandel) mit einbezogen werden.

Daraus ist folgendes abzuleiten:

  • Das heisst, wenn wir die Krisen im Nahen Osten bewaeltigen wollen muessen wir die Herausforderungen des Energieregime Komplexes angehen, mehr dazu in Managing the Future by Managing the Energy Regime.
  • Die Kosten der Krise sind in den Laendern der Region besonders stark zu spuehren, derzeit vor allem in Jordanien und Lebanon, mittelfristig aber (vor allem auch durch den Konflikt im Jemen) kann man davon ausgehen, dass die gesammte Arabische Halbinsel an Stabilitaet verlieren wird. Wenn jedoch die Kosten erhoeht werden, muesste die Bereitschaft fuer Investitionen in Loesungen erhoeht werden. Dies kann aber nur passieren wenn die beteiligeten das System als solches wahrnehmen.

To-Do:

Wenn Entscheidungstraeger in ihrer Analyse Offenheit zeigen, bzw. Bereitschaft zeigen von einer Analyse zu einer Syntheseleistung ueber zu gehen, dem sei geraten die UN-Klimagipfel als Chance zu sehen die Krisen unserer Zeit in ihrer Ganzheit zu sehen.

Daraus folgt, wenn die Aufgabe jedes Entscheidungstraegers der sich dieser Syntheseleistung verschreibt, sollte (erhebe hier natuerlich keinen Anspruch auf Vollstaendigkeit):

  • die Golflaender davon überzeugen, welche Wichtigkeit dieses Thema hat. Wie dieser Tweet zeigt, gibt es dafür so manch diplomatisches Gespräch, das dies ermöglichen würde, siehe hier (Achim Steiner mit VAE offiziellen):

  • Unterstreichen dass es auch von Business Seite wenig wiederstand gibt wenn erst mal ein klares Kommittment vorhanden ist und ein sogenannter tipping point (Wendepunkt) erreicht wurde, auch hierzu gibt es wissenschaftliche Arbeiten (Vormedal 2012). Dies ist besonders entscheident weil gerade in Emerging Countries manche Industrien besonders viel aufmerksamkeit bekommen weil sie in ihrem Aufholprozess nicht gestoppt werden sollen. Aber viele von ihnen gehen sogar einen Schritt weiter und machen ihre eingenen Versprechungen (total committments to action):

  • Keine Frage, man kann immer die am besten “ueberreden” die vorher eigentlich eh schon die selbe Meinung hatten. Aber ein, zwei oder gar drei Laender die aktiv mitziehen, koennen auch einen Hebeleffekt in der Region ausloesen.
  • Apropos Hebeleffekt, die auf UN-Klimakonferenz haben vor allem die EU und China die Moeglichkeit als posetives Example voranzuschreite – bei den USA darf man skeptischer sein. Auch das hat kann eine gewisse Hebelwirkung.
  • Internationale Organisationen, wie zum Beispiel IRENA, koennen auch eine active Rolle spielen wenn man sie laesst bzw. unterstuetzt – sie wuerden dies Rolle sicherlich gerne einnehmen. Ende dieser Woche organisiert IRENA Beispielsweise eine Workshop zum Thema Privater Solaranlagen in den Golfstaaten.

Die Empfehlungen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, jedoch soll klar sein, dass es sich bei der Klimakonferenz in Paris um einiges mehr handelt als ein Treffen von Diplomaten die versuchen die Energiepolitik zu verändern. Vielmehr ist es eine Krisen-, Friedens-, und Humanitäre Konferenz.

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